01.09.2017
Tenuta Sanoner - Das Juwel im Weinberg
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Das junge Weingut Tenuta Sanoner produziert biologischdynamische Weine, die dem Charakter und der Schönheit der Toskana entsprechen.

Stellen Sie sich vor, Sie wandern durch die Toskana. Auf schmalen Wegen passieren Sie Buchsbaumsträucher, Olivenbäume und Zypressen. Kleine Waldstücke wechseln sich ab mit welligen Wiesen, hier und da stehen knorrige Eichen schief in den Hängen. Und dazwischen Weinberge. Immer wieder Weinberge. Die strenge Geometrie der Rebstöcke bildet einen faszinierenden Kontrast zu den sanft geschwungenen Hügeln, in denen sie stehen. Es ist ein Bild von außergewöhnlicher Schönheit. Inmitten dieses Idylls, einen kurzen Spaziergang vom Hotel ADLER Thermae entfernt, befindet sich das Weingut Tenuta Sanoner

Es umfasst heute 30 Hektar Boden, von denen sich zwölf für den Weinbau eignen und von denen fünf bereits bepflanzt sind. Hinzu kommen circa 500 Olivenbäume. Im Zentrum der Anlage, mit einem atemberaubenden Ausblick auf das Val d‘ Orcia, befindet sich der Weinkeller der Tenuta (deutsch: Gut). Seine elegante, kurvige Fassade schmiegt sich spielerisch in die Landschaft. Sein zeitgemäß geradliniges Interieur in erdigen Farbtönen bietet einen perfekten Ort des Verweilens und Genießens. Die Panorama-Terrasse mit traumhaftem Ausblick auf das Orcia Tal ist der perfekte Ort, ein gutes Glas Wein zu verkosten.

2007 wurde der Familie Sanoner oberhalb des Hotel ADLER Thermae ein kleines Stück Land angeboten, drei Hektar waren für die Landwirtschaft geeignet, der Rest war Wald. „Als wir überlegten, was wir damit machen könnten“, sagt Andreas Sanoner, „sagten wir: Warum machen wir nicht Wein?“ Ein landwirtschaftlicher Betrieb als Ergänzung des Hotelgeschäfts? Naheliegender Gedanke. 2009 wurden die ersten Reben gepflanzt.

Einige Monate später die Ernüchterung. Ein Großteil der jungen Pflanzen war eingegangen, der Boden ausgetrocknet, weil nicht fachkundig aufbereitet. Die Erkenntnis: Leidenschaft alleine genügt nicht, was fehlte waren Wissen, Erfahrung und Hingabe. Qualität jedenfalls lässt sich auf diese Weise nicht erzielen. Also aufgeben? Das Experiment beenden und aus dem Grundstück eine schöne Wiese machen? Im Gegenteil. Andreas Sanoner: „Irgendwann kommt bei uns immer der Ehrgeiz auf, das ist vielleicht ein Fluch, vielleicht ein Segen.“ 

Wer die Tenuta Sanoner heute besucht, begegnet einem hochprofessionellen Betrieb. Die Kellerei wird geleitet von Giuseppe Basta, einem 26 Jahre jungen Mann, der im Herzen der Toskana geboren wurde und aufgewachsen ist und dort die landwirtschaftliche Oberschule besuchte. Nach seinem beruflichen Vorbild musste er nicht lange suchen. Bastas Vater ist seit 30 Jahren bei einem der führenden Brunello-Hersteller tätig. Schon in seiner Kindheit, sagt Basta, sei der Weinkeller „ein magischer Ort“ gewesen, und er begeistert von den „Düften, Farben und ständigen Verwandlungen des Weins“.

Unterstützt wird Basta vom Agronom Alessandro Fonseca, der der Familie Sanoner über gemeinsame Freunde bestens bekannt war. Seit Jahrhunderten bringen die Fonsecas herausragende Agronomen und Önologen hervor, wobei Alessandro Fonseca sich dem biologisch-dynamischen Anbau* verschrieben hat. Er sagt: „In der Ausgeglichenheit der Elemente Wasser, Licht, Wind und Erde finden Reben und Olivenbäume zu ihrem Gleichgewicht. Deshalb sollte unser Wirken sehr zurückhaltend sein.“ Dazu passt, dass der externe Önologe der Tenuta Sanoner, Matteo Giustiniani, auch für zwei weltbekannte Toskaner Unternehmen mit biologischem
und biodynamischem Anbau arbeitet.

Biodynamischer Anbau folgt dem Credo, dass sich die Eingriffe in den natürlichen Wachstumsprozess auf ein Minimum beschränken. „Wir sind uns bewusst“, sagt Andreas Sanoner, „dass wir nur ein kleines Glied in den Kreisläufen der Natur sind.“ Inspiriert zu dieser Einsicht hat ihn ein legendärer Spruch des Indianerhäuptlings Seattle, den er bei einem Besuch eines mystischen Platzes in Sedona im US-Bundesstaat Arizona entdeckte.
„Humankind has not woven the web of life. We are but one thread within it. Whatever we do to the web, we do to ourselves. All things are bound together.“

Das Ziel der Tenuta Sanoner ist es, Weine zu produzieren, welche die typischen Charaktereigenschaften der Landschaft, ihres Bodens und ihres Klimas in sich tragen. Seit Jahren werden mehrere Klone der Sangiovese-Traube in unterschiedlichen Lagen gepflanzt. Qualität und Ertrag werden regelmäßig analysiert. Die Ergebnisse bestimmen den Anbau. So ist es bereits nach wenigen Jahren gelungen, hervorragende Weine zu produzieren, darunter den Aetos Sangiovese DOC, der im Holzfass ausgebaut wird, sowie den Aetos Rosé und den Aetos Sparkling.

Eine entscheidende Rolle für die Qualität der Aetos-Weine spielt die technische Ausstattung der Kellerei. Wer Giuseppe Basta bei einer Führung begleitet, erfährt wie Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit mit einem ausgeklügelten System reguliert werden können - in jedem Raum und getrennt voneinander. Ein Belüftungssystem verhindert die Bildung von Schimmelpilzen und sorgt für die Absaugung von Kohlendioxid. Auch Temperatur in den Beton- und Edelstahlbehältern kann verändert werden, um eine gleichmäßige Gärung zu gewährleisten. Alle Verarbeitungsprozesse folgen dem Prinzip des Fließverfahrens. Das heißt, der Werdegang des Weines erfolgt auch räumlich in logisch aneinander gereihten Schritten.

Die Übersichtlichkeit, die sich daraus ergibt, kommt auch den Besuchern entgegen. Sie wissen, wie alles funktioniert, wenn sie von Barbara Coppi im Gastraum zur Degustation in Empfang genommen werden. Und wer bis dahin noch nicht der Faszination der Tenuta Sanoner erlegen ist, wird es spätestens bei Frau Coppi tun. Sie ist eine kleine lebhafte Person, deren Fröhlichkeit ansteckend ist. Als sie 2008 zur Tenuta Sanoner kam, hatte sie „keine Ahnung von Wein“. Sie hatte zuvor Mode verkauft, Schuhe, Kleidung. Dass sie dennoch am richtigen Platz war, spürte sie von Beginn an: „Die Philosophie der Familie Sanoner hat mich sofort überzeugt.“ Sich darauf einzulassen, war kein Problem. Coppi: „Wer mit Begeisterung an eine Sache herangeht, dem offenbaren sich viele neue Wege und Möglichkeiten.“ 
Inzwischen ist Barbara Coppi ausgebildete Sommelière, nach wenigen Monaten hatte sie die höchste Ausbildungsstufe erreicht. Nebenher hat sie alle Ausbildungen durchlaufen, um den vielfältigen bürokratischen Herausforderungen zu begegnen, die ihr Job mit sich bringt. Schließlich ist sie zuständig für Führungen, Weinproben, Kochkurse, Verkauf, aber auch Buchhaltung und die Einhaltung gesetzlicher Auflagen. Andreas Sanoner sagt: „Wir Männer sind, wenn es um Wein geht, gerne mal Träumer, Barbara holt uns aber immer wieder auf den Boden.“ Und das ist auch gut so.

Trotzdem: An einem derart faszinierenden Ort wie der Tenuta Sanoner ist es zulässig, ins Träumen zu kommen.

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